“LIEBE GEHT DURCH DEN MAGEN” (2018)

Als ich am gestrigen Sonntag zur Heiligen Messe in Maria Eich “verirrte”, hatte ich ein déjà-vu-Erlebnis: Der Priester baute nämlich seine ganze Predigt auf diesen Spruch. Was soll das? Die Liebe zu Gott ginge durch den Magen, dafür solle die Erste Lesung, Zitat aus dem Buch Exodus, der Beweis sein. Die zweite Lesung (Brief des Apostels Paulus an die Epheser – Kapitel 4 17.20-24) wurde “vergessen”. Nein, sicher nicht so einfach, die Zweite Lesung passte nicht ins Konzept. “So sage ich nun und bezeuge in dem HERRN, daß ihr nicht mehr wandelt, wie die andern Heiden wandeln in der Eitelkeit ihres Sinnes, deren Verstand verfinstert ist, und die entfremdet sind von dem Leben, das aus Gott ist, durch die Unwissenheit, so in ihnen ist, durch die Blindheit ihres Herzens; welche ruchlos sind und ergeben sich der Unzucht und treiben allerlei Unreinigkeit samt dem Geiz. Ihr habt Christum nicht also gelernt, so ihr anders von ihm gehört habt und in ihm belehrt, wie in Jesu ein rechtschaffenes Wesen ist. So legt nun von euch ab nach dem vorigen Wandel den alten Menschen, der durch Lüste und Irrtum sich verderbt. Erneuert euch aber im Geist eures Gemüts und ziehet den neuen Menschen an, der nach Gott geschaffen ist in rechtschaffener Gerechtigkeit und Heiligkeit.”

Im Internet habe ich zum genannten Spruch folgende Erklärung gefunden: “Er handelt eben aus dem Bauch heraus, aus dem Magen, rein nach Gefühl. Und durch diesen Magen hindurch, durch das Gefühl hindurch muss es dann – nach unserem Sprichwort – wohl gehen, wenn eine Beziehung zu einer echten Liebesbeziehung werden soll. Das scheint mir die ursprüngliche Aussage dieses alten Wortes (sic!) zu sein. Liebe geht durch den Magen.”

Wie verhält sich also der in der Predigt hochgehaltene Gefühlsmensch (etwa im Beispiel der Ersten Lesung) zum im Geist Jesu wandelnden Menschen (wie in der ausgelassenen Zweiten Lesung angedeutet)? – dies ist hier die wichtigste Frage. Die Sicht des Neuen Testaments ergänzt die Sicht des Alten Testaments, und zwar wesentlich.

Wenn aber ein katholischer Priester diese wesentliche Korrektur “vergißt”, sich dem “Zeitgeist” fügt, macht den Gottesdienst zum Götzendienst. Und dies wird leider allmählich “normal” d.h. “angenommen”, “für richtig gehalten”.